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Autobranche: Richtungsänderung bei Werkverträgen?

Autobranche: Richtungsänderung bei Werkverträgen?

Betriebsrätebefragung der IG Metall

Fast ein Drittel der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie ist über Werkverträge beschäftigt. Die Betriebsrätebefragung der IG Metall belegt erstmals, wie verbreitet Werkverträge besonders in der Automobilbranche sind. Doch gerade in diesem Sektor zeichnet sich derzeit neue Bewegung ab.

 
Autos auf einer Straße

© [oli_ok / photocase.de]

 

Mehr als eine Million Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie arbeiten ohne feste Stelle, so das Ergebnis der IG Metall-Studie. Für die Erhebung wurden Betriebsräte in ganz Deutschland befragt, Mitarbeiter gezählt und deren Löhne ausgewertet. In der Automobilindustrie ist es besonders deutlich: Dort arbeiten 763.000 Stammbeschäftigte, 100.000 Leiharbeiter und 250.000 Werkvertragsbeschäftigte. Ein ähnliches Bild geben Stahlindustrie, Schiffbau und Luftfahrtbranche ab und erwecken den Eindruck einer Zwei-Klassen-Gesellschaft im Herzen der deutschen Industrie.

So stieß die IG Metall in der Befragung auf Beschäftigte in der Produktion, deren Löhne um 30 bis 50 Prozent unter denen der Stammbeschäftigten lagen – festgeschrieben per Werkvertrag. Mit der Rechtsform Werkvertrag gehe keine Schlechterstellung einher, zitierte die Hannoversche Allgemeine noch vor Kurzem den Gesamtmetall-Geschäftsführer Oliver Zander. Kaum glaubhaft klingt das vor dem Hintergrund der IG Metall-Erhebung.

Über das BMW-Werk in Leipzig berichteten Spiegel und Zeit kürzlich als Negativ-Bespiel. Für den bayerischen Automobilhersteller arbeitet dort eine Stammbelegschaft von 3.800 Beschäftigten, zudem insgesamt 4.000 Werkvertragsbeschäftigte. Rund 50 Fremdfirmen haben sich um das Werk angesiedelt. Viele montieren Türen, Achsen und Sitze – Tätigkeiten, die man eigentlich bei BMW selbst verorten würde. Für die Betroffenen gelten oft keine Tarifverträge, in Leipzig zahlen laut Berichterstattung nur neun Firmen den Tariflohn.
 

Daimler will aus Werkverträgen Leiharbeit machen

Kaum anders war es beim Konkurrenten Daimler, der kürzlich durch Fälle von Lohndumping und Schein-Werkverträgen in die Schlagzeilen geriet. Nun reagiert der Vorstand auf die Kritik und will rund 1.400 Werkvertragsbeschäftigte als Leiharbeitnehmer anstellen. Wie Daimler-Gesamtbetriebsratschefs Erich Klemm in einem Gespräch mit der IG Metall bestätigte, sind bereits 600 Verträge unterzeichnet. Auch die übrigen Werkvertragsbeschäftigten sollen bald rechtlich besser gestellt werden. Mit der Umwandlung in das Leiharbeitsverhältnis gehen tarifliche Zuschläge für die Beschäftigten einher sowie der Anspruch auf eine Übernahme nach zwei Jahren.

Im Detail sehen die Beschlüsse des Daimler-Vorstands allerdings nicht ganz so rosig aus: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sollen die Leiharbeitsunternehmen den niedrigsten Tariflohn ihrer Branche zahlen. Außerdem war eine vom Betriebsrat angestrebte Sozialcharta nicht zustande gekommen, weil der Vorstand die Forderungen der Arbeitnehmervertreter nicht akzeptieren wollte. Dementsprechend sieht Betriebsratschef Klemm noch Luft nach oben: „Unser Ziel ist und bleibt die Festanstellung der Kolleginnen und Kollegen“.

Dass das keineswegs illusorisch ist, zeigte kürzlich Branchenprimus Volkswagen. Der Konzern will zum Jahreswechsel rund 1.500 Leiharbeitnehmer übernehmen. Die Festanstellung winkt denjenigen Mitarbeitern, die in den kommenden drei Monaten bereits drei Jahre in Leiharbeit angestellt sein werden. Eine neue Befristung für sie wäre gesetzlich verboten, dank guter Auslastung der deutschen Werke macht sie VW nun zum Teil der Stammbelegschaft.

Weitere Informationen: Interview mit Erich Klemm, Vorsitzender Daimler-Gesamtbetriebsrat
 

 

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