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Dossier Küste

IG Metall Küste veröffentlicht Dossier Werkverträge

Die IG Metall Küste hat ein umfangreiches Dossier zu Werkverträgen veröffentlicht. Das Dossier zeigt: Werkverträge haben viele Gesichter. Darauf müssen wir unterschiedlich reagieren. Gefordert sind wir als IG Metall und Betriebsräte, aber auch Arbeitgeber und die Politik sind in der Verantwortung. Ein Interview mit Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste:

 
geiken
 

 

Werkverträge ufern aus – was tut die IG Metall dagegen?

Meinhard Geiken: Es gibt viele Ansatzpunkte. Fangen wir im Stammbetrieb an: Aufsichtsräte und Betriebsräte müssen sich einmischen, wenn die Geschäftsführung an Ausgliederungen geht. Sie dürfen diese nicht einfach hinnehmen – vor allem nicht, wenn es darum geht, auf diesem Weg Standards zu drücken. Wir müssen die Ränder sichern: Mich freut es, wenn wir dank guter Vereinbarungen, die Logistik oder den Werkschutz im Betrieb halten – wie zum Beispiel bei Still in Hamburg. Das Problem allerdings: Bei der Fremdvergabe haben wir bisher nur in wenigen Betrieben Mitbestimmung. Ein Beispiel: Bei Daimler in Bremen gab es massive Proteste gegen die Ausgliederung der Logistik, die Geschäftsführung hat es trotzdem gemacht.

 

Und wie geht’s weiter, wenn bereits ausgegliedert ist?

Dann müssen wir bei den Dienstleitern dafür sorgen, dass die Standards nicht weiter sinken. Meistens geht mit der Ausgliederung eine Verschlechterung des Entgeltniveaus und der Arbeitsbedingungen einher. Das dürfen wir nicht hinnehmen, weil das die tariflichen Standards und die Mitbestimmung insgesamt in Gefahr bringt. Unser Ziel sind deshalb Tarifverträge beim Dienstleister. Dafür müssen wir die Beschäftigten erreichen und sie in der IG Metall organisieren. Das gilt insbesondere für die Kontraktlogistik und Entwicklungsdienstleister, die Teil der Wertschöpfungskette in unseren Betrieben ist. Beim Airbus-Dienstleister Stute ist uns das ja bereits gelungen.

 

Wie hat die IG Metall auf die eklatanten Fälle von Missbrauch bei Werkverträgen wie im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern oder zuletzt in Schleswig-Holstein reagiert?

Wir sind auf die Auftraggeber zugegangen, also auf die Betriebe aus unseren Branchen, die ganz oben in der Subunternehmerkette stehen. Auch sie sind in der Verantwortung für das, was auf ihrem Gelände oder in ihrem Namen passiert. Konkrete Vereinbarungen sind daraus nicht entstanden. Wenn überhaupt wollten die Geschäftsführer nur etwas für die Galerie. Einzige Ausnahmen sind die Meyer Werft in Papenburg und Neptun in Rostock: Dort haben wir Tarifverträge, die Mindeststandards für Werkvertragsbeschäftigte sichern und dem Betriebsrat mehr Kontroll- und Mitspracherecht geben. Auch in der Stahlindustrie haben wir inzwischen eine Regelung zu Werkverträgen.

 

Was kann die Politik tun?

Bei solchen krassen Fällen, wo die Not der Menschen ausgenutzt wird, geht es zunächst um kurzfristige Maßnahmen: Mobile Beratungsstellen für Werkvertragsbeschäftigte müssen flächendeckend eingerichtet werden. Und wir brauchen strengere Richtlinien und Kontrollen der Unterkünfte. In Niedersachsen ist nach dem Brand in einer Unterkunft von Werkvertragsbeschäftigten, die auf der Meyer Werft in Papenburg eingesetzt waren, einiges passiert. Die anderen Nordländer zeigen da noch zu wenig Bereitschaft.

 

Und was muss auf Bundesebene passieren?

Die Koalition von CDU/CSU und SPD hat sich im Koalitionsvertrag festgelegt: Sie will den Missbrauch von Werkverträgen verhindern. Dazu wird Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) bald einen Gesetzesentwurf vorlegen. Entscheidend wird sein, welche Mitbestimmungsrechte Betriebsräte beim Thema Werkverträge bekommen. Mit Informationsrechten allein kommen wir nicht weiter. Betriebsräte müssen auch Nein sagen können, wenn Werkverträge nur dazu dienen, tarifliche Standards zu unterlaufen. Außerdem muss die Unterscheidung zwischen Leiharbeit und Werkverträgen konkretisiert werden: Eine Verleiherlaubnis auf Vorrat, wie sie viele Werkvertragsfirmen heute haben, darf es nicht mehr geben. Und wir müssen die Kette von Sub-Subunternehmen zerschlagen, in dem auch der Generalunternehmer in Haftung genommen wird. Selbstverständlich muss das alles auch kontrolliert werden. Dafür müssen die Kontrollen von Zoll und Gewerbeaufsicht ausgeweitet werden. Unser Ziel als IG Metall ist: Arbeit – sicher und fair – für alle.

 

Dossier hier herunterladen (PDF-Dokument, 1.2 MB)

 

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