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Dossier "Werkverträge": Beschäftigte dritter Klasse

Dossier "Werkverträge": Beschäftigte dritter Klasse

Unternehmen, die über Werkverträge immer mehr Arbeit ausgliedern, noch bequemer und billiger als über Leiharbeit. Leiharbeitskonzerne wie Randstad, die nun auf Werkverträge umschwenken. Auf der einen Seite Leihabreitnehmer im Betrieb integriert mit Branchenzuschlägen besser gestellt und auf der anderen Seite immer mehr Werkvertragsbeschäftigte, die oft mittendrin in den Betrieben mitarbeiten - und die dennoch deutlich weniger verdienen und weniger Rechte haben.

 
Foto: Arbeiter

© (Yvonnes_photos / photocase.com)

 

Die meisten sind noch schlechter dran als Leiharbeiter. Beschäftigte dritter Klasse. All das zeigt das neue Dossier Werkverträge der IG Metall Nordrhein-Westfalen anhand von Fallbeispiele aus Betrieben. Aber es gibt auch Lichtblicke: Betriebe in denen Betriebsräte und IG Metall den Werkvertrags-Wahn in den Griff bekommen.

Die Zeitarbeit wird deutlich teurer. Einige werden versuchen, dem über Werkverträge aus dem Weg zu gehen“, sagte Arbeitgeberpräsident Kannegiesser vor einem Jahr voraus. Und es sieht aus, als sollte er Recht behalten. Das Ausgliedern von Arbeit über Werkverträge wird immer mehr zum angesagten Sparmodell für Unternehmen. Das zeigt das neue Dossier Werkverträge, das die IG Metall Nordrhein-Westfalen in den kommenden Wochen der Öffentlichkeit präsentieren wird. Der Kampagne Gleiche Arbeit - Gleiches Geld liegen bereits jetzt erste Vorabergebnisse vor.
 

Gleiche Arbeit – jetzt noch billiger

Das Bild, das das Dossier aus mehreren Betrieben zeigt, ist alarmierend. Werkvertragsbeschäftigte überall. Sie machen dieselbe Arbeit, wie zuvor die Stammbelegschaft, nur für weniger Geld. Oftmals in direkter Konkurrenz: An zwei identischen Bändern bei einem Elektronik-Hersteller stehen sich Stammbeschäftigte und Werkvertragsbeschäftigte gegenüber. Und oftmals als billiger, bequemer Ersatz durch die Drehtür: Bei einem Mobilfunk-Anbieter arbeiten externe IT-Spezialisten ganz normal in Teams mit Stammbeschäftigten zusammen.

Früher waren sie selbst mal Stammbeschäftigte. Bei einer Personalabbaumaßnahme schieden sie aus und kamen über eine Werkvertragsfirma wieder herein. Nur für weniger Geld. Und mit unsicheren Jobs. In den Betrieben ist mittlerweile eine Drei-Klassen-Belegschaft entstanden: Immer weniger Stammbeschäftigte. Leihbeschäftigte. Und mehr Werkvertragsbeschäftigte. Sie arbeiten mitten unter den Stammbeschäftigten, tragen dieselbe Kleidung, erhalten dieselben Anweisungen. Eigentlich nicht legal, da kein eigenständiges Werk mehr zu erkennen ist. Aber es wird einfach gemacht.

 

Die Autoren des Dossiers haben sich viele Betriebe angeschaut, und stellen fest:. Global agierende Unternehmen wenden Werkverträge längst weltweit an allen Standorten an.
 

 
Titelblatt: Dossier Werkverträge

© IG Metall

Titel: Dossier Werkverträge

 

Leihfirmen schwenken um auf Werkvertrag

Und die Personaldienstleister springen auf den Zug auf: Etwa der Branchenriese Randstad, der bei einem Hydraulikteile-Produzenten nun nicht mehr nur Beschäftigte verleiht, sondern mittlerweile Teile der Montage selbst übernommen hat. Per Werkvertrag. Mit ehemaligen Stammbeschäftigten, die nun die gleiche Arbeit für deutlich weniger Geld machen.

 

Der Clou dabei: Durch die Werkvertragskonstruktion wird den Beschäftigten der tariflichen IG Metall-Branchenzuschlag für Leiharbeit vorenthalten, der seit November 2012 in Betrieben der Metallindustrie gilt. Und der Hydraulik-Bauer ist keineswegs der einzige Betrieb, in dem Randstad per Werkvertrag eingestiegen ist. Dabei kombinieren die großen Verleiher auch beide Modelle, Werkvertrag und Leiharbeit: Die Werkvertrags-Töchter holen sich Leihbeschäftigte von der Konzernmutter. Die Beschäftigten sind dann noch schlechter dran, als wenn sie als klassische Leiharbeiter direkt im Stammbetrieb arbeiten.

Aber das Dossier Werkverträge zeigt auch Lichtblicke: Etwa wie Betriebsrat und IG Metall weitere Ausgliederungen bei einem Automobilzulieferer verhindert haben. Weil sie klar machen konnten, dass Know-How und Qualität durch Fremdvergabe verloren gehen. Und indem sie die Belegschaft einbezogen haben, die durch ihre Verbesserungsvorschläge die Produktion verbessert und im Betrieb gehalten haben.

Oder wie der Betriebsrat eines Stahlrohrherstellers in einer Betriebsvereinbarung durchsetzen konnte, dass es in Produktion und Verwaltung keine Werkverträge geben wird.

 

Für Betriebsräte sind Werkverträge schwer in den Griff zu bekommen. Weil sie deutlich schlechtere Mitbestimmungsrechte haben, als etwa bei Leiharbeit. Aber dort wo sie das Thema anpacken, erzielen sie auch Erfolge. Das beginnt damit, dass sie sich einen Überblick verschaffen, wo wie viele Werkvertragsbeschäftigte arbeiten. So wie bei Vodafone in Ratingen. Dort hat der Betriebsrat durchgesetzt, dass er aktuelle Listen aller externen Beschäftigten von der Geschäftsleitung erhält. So ist klar: Wer ist da? Mit welchen Aufgaben? Und wo müssen wir ran?

 

Dossier anschauen (PDF) (PDF-Dokument, 1001.5 KB)

 

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