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Interview mit Tadeus Solski und Hartmut Ernst

„Von unserer Geschäftsführung bekommen wir keine Informationen“

Interview mit Tadeus Solski und Hartmut Ernst

Wenn es darum geht, den Missbrauch von Werkverträgen zu stoppen, sind Betriebsräte gefragt. In Seminaren der IG Metall machen sie sich dafür fit. Tadeus Solski und Hartmut Ernst waren bei solch einem Seminar dabei. Die beiden sind Betriebsratsmitglieder bei der NXP Semiconductors GmbH, einem Halbleiterunternehmen mit 1600 Beschäftigten in Hamburg, weltweit sind es etwa 27 000. Im Interview berichten sie von ihren Erfahrungen.

 
Tadeus Solski und Hartmut Ernst

© IG Metall

 

Tadeus und Hartmut, ihr seid Betriebsratsmitglieder beim Halbleiterunternehmen NXP Semiconductors GmbH in Hamburg. Warum habt ihr am IG Metall-Seminar zu Werkverträgen teilgenommen? 

 
Hartmut: Weil wir bei uns einen Missstand sehen. Wir brauchen Werkzeuge, um damit umzugehen und es abzustellen.
 

Worin liegt der Missstand?  

Hartmut: Wir haben Werkverträge, da sagen wir, OK, damit können wir leben. Das ist etwa bei der Werkssicherung oder der Hausreinigung der Fall. Wir vermuten aber, dass es sich bei etwa 100 Kollegen im Engineering-Bereich, die über Werkverträge angestellt sind, um versteckte Leiharbeit handelt. Allerdings sind wir als Betriebsrat für die Kollegen offiziell nicht zuständig und haben bisher auch keinerlei Daten darüber bekommen können.
 

Wie seid ihr auf das Problem gestoßen? 

Hartmut: Zum einen sind Kollegen zum Betriebsrat gekommen und haben uns gesagt, dass sie bestimmte Sachen nicht in Ordnung finden. Sie sehen selber, dass Know-how aus ihren Projekten abfließt: Sobald jemand irgendwo eine Festanstellung bekommt, ist er weg. Zum anderen wurden wir von Stammkollegen angesprochen. Die wissen selbst oft nicht, wie viele Werkvertragsbeschäftigte in ihre eigenen Abteilungen sind. 
 
Tadeus: Die Kontraktoren sitzen häufig in Besprechungsräumen. Die Stammbelegschaften haben dann Probleme, ihre Besprechungen machen zu können, weil die Räume voll sind. Auch in den normalen Arbeitsbüros wird es immer voller und lauter. Die Arbeitsbereiche sind eben nicht getrennt, die beiden Gruppen arbeiten oft zusammen. Die Kollegen sind in Projekte eingebunden, sitzen teilweise in den selben Büros wie die Stammbeschäftigten und haben einen eigenen Firmen-Email-Account. Eigentlich sind sie voll eingebunden. Deshalb glauben wir, dass es sich in Wirklichkeit um Leiharbeiter handelt. Aber wir wissen es natürlich nicht so genau. Deshalb sind wir auch hier, um zu erfahren, wie wir das feststellen können und was wir dagegen machen können. 
 

Wie unterscheiden sich die Rahmenbedingungen der Werkvertragsbeschäftigten konkret von denen der Stammbelegschaft?

Tadeus: Das wissen wir nicht. Die machen irgendwelche Projekte, doch wir wissen nicht, zu welchen Konditionen. Von unserer Geschäftsführung bekommen wir keine Informationen: Wir wissen weder, wie viele Werkvertragsarbeitnehmer im Unternehmen sind, noch wissen wir, wie lange die Kollegen wirklich arbeiten.
 

Warum ist es so schwer, an diese Informationen zu bekommen? 

Tadeus: Wir haben uns bereits an die Personalabteilung gewandt. Doch dort heißt es, wir wissen von nichts. Weil Werkverträge als Materialkosten abgerechnet werden, wisse nur der Einkauf Bescheid. Aber der Einkauf mauert auch. 
 
Hartmut: Momentan sind wir in Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan in einem anderen Bereich, in dem Entlassungen anstehen. Das haben wir benutzt, um Druck aufzubauen. Wir versuchen, die Leute noch woanders unterzubringen. Doch weil wir keine Infos zu den Werkvertragsbeschäftigten haben, wissen nicht, wo es überhaupt Kapazitäten gibt. Nun haben wir endlich eine Liste mit 90 Namen bekommen, die als Werkvertragsnehmer im Unternehmen sein sollen. Wir vermuten aber, dass es noch mehr sind. 
 

Was hat euch das Seminar gebracht?  

Tadeus: Ich weiß jetzt, was ich prüfen soll, bevor wir aktiv werden.  Dafür haben wir einen guten Fragenkatalog bekommen. Neu war etwa die Möglichkeit, zu schauen, ob es sich um versteckte Leiharbeit handelt, ob vielleicht eine Betriebsvereinbarung eine Lösung sein könnte. 
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Um Fremdvergabe und Werkverträge effektiv anzupacken, bedarf es Sachkenntnis, denn die rechtlichen Fragen sind komplex, die Hintergründe vielschichtig. Die IG Metall unterstützt Betriebsräte daher mit Seminaren, in denen die rechtlichen Möglichkeiten von Mitarbeitervertretern
erläutert und praktische Hilfestellungen gegeben werden. So können sie sich gezielt weiterqualifizieren und mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Betrieben austauschen. Informiere Dich über die zentralen Weiterbildungsangebote der IG Metall sowie über die Seminare in Deiner Verwaltungsstelle vor Ort!
 
Hier findest Du Informationen zu den Bildungsangeboten der IG Metall:
 

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