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Interview mit Uwe Schmidt und Angela Schetler

»Der Anspruch, Beschäftigung zu sichern, wird nicht mehr eingelöst«

Interview mit Uwe Schmidt und Angela Schetler

Uwe Schmidt und Angela Schetler, Betriebsratsmitglieder bei der Hauni Maschinenbau AG Hamburg, sehen die Zunahme von Werkverträgen in ihrem Betrieb kritisch. Denn sie sind überzeugt: Es geht bei diesen Auslagerungen nicht nur um Kostenersparnis. Es ist auch gewollt, dass die Konkurrenz unter den Stammmitarbeitern erhöht wird.

 

© IG Metall

Uwe Schmidt und Angela Schetler

 

Seit wann beschäftigt ihr euch im Betriebsrat mit Werkverträgen?

Angela: Schon eine ganze Weile. Ich habe mich lange um die Kantine gekümmert. Da kam das Thema als erstes auf. Wir haben uns dafür eingesetzt, dass die Leute bei uns bleiben. Mir war das wichtig, weil die Kantine eine Art Sozialfunktion hat. Kollegen, die etwa nach einer Modernisierung nicht mehr in der Fertigung arbeiten konnten, wurden hier weiter beschäftigt.

Uwe: Inzwischen hat sich die Situation aber verändert. Wir haben etwa 15 Werkvertragsfirmen im Haus, in den verschiedensten Bereichen. Zur Anzahl der betroffenen Beschäftigten haben wir allerdings noch keine Daten. Ich vermute, dass das 80 oder 90 Kollegen sind. Das können wir aber nicht genau sagen. Insgesamt haben wir 2200 Beschäftigte.
 

Handelt es sich dabei um Tätigkeiten, die auch von der Stammbelegschaft übernommen werden können?

Uwe: Wir sind im Moment dabei, eine Aufstellung zu machen, was echte oder unechte Werkverträge sind. Ich habe die Vermutung, dass fünf unechte Werkverträge dabei sind. Bei denen geht es um Aufgaben, die definitiv in unsere Hierarchien eingebunden sind und von unseren Leuten gemacht werden könnten. Sie sind ein Bestandteil der unternehmerischen Wertschöpfungskette. Das betrifft z. B. Teile der IT wie die IT-Netzwerkadministration. Aber eben auch Dienstleistungsverträge für Werkschutz. Es gehört auch zum täglichen Arbeitsprozess, dass das Werk geschützt wird.  Daneben gibt es durchaus sinnvolle Werkverträge. Wenn sie projektbezogen sind, können wir mitgehen.

Angela: Es geht bei diesen Auslagerungen nicht nur um Kostenersparnis. Es ist auch gewollt, dass die Konkurrenz unter den Stammmitarbeitern erhöht wird. Wir erleben immer öfter, dass Beschäftigte nach der Ausbildung von Werkfirmen übernommen werden. Das Unternehmen hatte einmal den Anspruch, seine Beschäftigung zu organisieren und zu sichern, doch dieser Anspruch wird heute nicht mehr eingelöst.
 

Wie recherchiert ihr, wie viele Kolleginnen und Kollegen über Werkverträge beschäftigt sind?

Uwe: Das machen wir, indem wir in den einzelnen Abteilungen nachfragen und mit den Kollegen sprechen.
 

Habt ihr es schon beim Arbeitgeber versucht?

Angela: Das machen wir erst im Nachgang – um zu schauen, ob der Arbeitgeber die richtigen Antworten gibt. Vertrauen ist gut, aber ein bisschen Kontrolle ist auch nicht schlecht.
 

Wie reagiert der Arbeitgeber, wenn ihr die Praxis der Werkverträge kritisiert?

Uwe: Wir haben es kürzlich geschafft, für einen Kollegen, der im IT-Bereich über einen Werkvertrag beschäftigt war, zumindest einen Leiharbeiterstatus zu bekommen. Leider konnten wir die Festanstellung nicht durchsetzen. Das Gleiche gelang auch bei einem Kollegen aus der Gästebewirtung. Hier hat es auch gehaltsmäßig einen großen Unterschied gemacht. Wir glauben aber nicht, dass unser Arbeitgeber langfristig in großem Maßstab auf Werkverträge setzen wird.

 

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