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Meyer Werft Verbesserung für Werkvertragsbeschäftigte

Meyer Werft: Verbesserungen für Werkvertragsbeschäftigte greifen

Vor einem Jahr, am 13. Juli 2013, starben zwei rumänische Arbeiter, die mit einem Werkvertrag auf der Meyer Werft eingesetzt waren, bei einem Brand in ihrer Unterkunft. Der tragische Tod der 32 und 45 Jahre alten Männer machte deutlich, unter wie unwürdigen Bedingungen sie und viele ihrer Kollegen gelebt und gearbeitet haben. Seitdem ist in Papenburg einiges passiert – auch dank des bundesweit ersten Tarifvertrages zu Werkverträgen, in dem IG Metall, Betriebsrat und Geschäftsführung Mindeststandards wie eine angemessene Unterbringung und einen Mindestlohn von 8,50 Euro in der Stunde festgeschrieben haben.

 
DOCK Schriftzug auf Schiff

© [savani: photocase.com]

 

„Bei der Unterbringung hat sich etwas getan“, sagt der Betriebsratsvorsitzende der Meyer Werft, Thomas Gelder. „Es gibt strengere Vorgaben, und die Stadt kontrolliert jetzt auch die Wohnungen.“ Und auch die besseren Kontrollmöglichkeiten, die der Betriebsrat durch den Tarifvertrag bei Werkverträgen auf der Werft hat, beginnen langsam zu greifen: „Wenn wir bei der Geschäftsführung auf Missstände hinweisen - etwa der Stundenlohn zu niedrig ist, werden die Werkvertragsunternehmen überprüft“, berichtet Gelder. Auf Drängen von IG Metall und Betriebsrat hat das Unternehmen auch schon die Zusammenarbeit mit einigen Firmen beendet. In anderen Fällen ist es gelungen, die rumänischen in deutsche Arbeitsverträge umzuwandeln.

Nach dem Tod der beiden rumänischen Kollegen war von der Meyer Werft zunächst eine Task Force unter Leitung des ehemaligen niedersächsischen Justizministers Walter Remmers eingesetzt worden, in der auch der Betriebsratsvorsitzende und die Bevollmächtigte der IG Metall Leer-Papenburg, Evelyn Gerdes, mitarbeiten. Auf 160 Seiten beschreibt die Gruppe in ihrem Zwischenbericht die bedrückende Situation vieler Werkvertragsbeschäftigter: Von Aufenthaltszeiten von bis zu 24 Stunden auf der Werft, Doppelschichten und Drohanrufen vom Chef ist in dem Bericht zu lesen. Inzwischen hat sich die im Tarifvertrag vorgesehene ständige Arbeitsgruppe aus Betriebsrat und Geschäftsführung konstituiert. Sie befasst sich mit allen Problemen, die die Werkvertragsbeschäftigten an die Betriebsräte herantragen. Der Tarifvertrag stärkt die Informations-, Kontroll- und Mitwirkungsrechte des Betriebsrates bei Werkverträgen. Bei Streitigkeiten über den Umfang von Werkverträgen kann die betriebliche Einigungsstelle angerufen werden.

„Große Bedeutung hat für uns die Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle für mobile Beschäftigte in Oldenburg“, sagt IG Metall-Bevollmächtigte Gerdes. „Die Beraterinnen kommen auf die Werft, helfen den Kollegen in ihrer Muttersprache, wenn es um Arbeitsverträge, Entlohnung und Umgang mit Behörden geht.“ Träger der Beratungsstelle ist die Bildungsvereinigung Arbeit und Leben Niedersachsen. „Es gibt dadurch eine enge Zusammenarbeit mit anderen Gewerkschaften über die Branchen hinaus“, so Gerdes. „Solche Anlaufstellen sind enorm wichtig und müssen ausgebaut werden.“ Die Geschäftsführerin freut sich, dass das Engagement der Betriebsräte Anerkennung findet: Wegen dieses Tarifvertrages ist der Betriebsrat der Meyer Werft für den Deutschen Betriebsrätepreis nominiert worden, der im Oktober unter Schirmherrschaft von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles in Bonn verliehen wird.

Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste, blickt mit gemischten Gefühlen zurück: „Alle Beteiligten haben viel getan, damit sich so etwas nicht wiederholt. Aber wir dürfen nicht nachlassen, denn bei allen Fortschritten gibt es nach wie vor die Gefahr von Missbrauch bei Werkverträgen.“ Für ihn ist deshalb auch klar, dass der Tarifvertrag zu Werkverträgen nicht mit dem Ende der Laufzeit im Februar nächsten Jahres auslaufen darf: „Ich gehe davon aus, dass auch das Unternehmen ein Interesse an einer Verlängerung hat.“

Die IG Metall an der Küste war auch in anderen Betrieben aktiv – mit ersten Erfolgen: Einen Haustarifvertrag und eine Sozialcharta wie auf der Meyer Werft gibt es jetzt auch bei Neptun in Rostock-Warnemünde. Gespräche über eine verbindliche Regelung laufen bei anderen Unternehmen, etwa der Petram-Gruppe in Bremerhaven. „Viele Betriebe zeigen bislang aber nur wenig Bereitschaft, mit der IG Metall verbindliche Regelungen zu schaffen, um einen Missbrauch von Werkverträgen zu stoppen“, berichtet Geiken. Er sieht deshalb den Gesetzgeber in der Pflicht: „Wir brauchen eine klare Abgrenzung zwischen Werk- und Scheinwerkverträgen sowie Mitbestimmung für unsere Betriebsräte bei Werkverträgen.“

 

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