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Vom Skandalunternehmen zum Branchenvorbild?

Der Haustarifvertrag der Meyer-Werft

Vom Skandalunternehmen zum Branchenvorbild?

Seit dem 1. Oktober gilt in der Meyer-Werft ein Haustarifvertrag, der die Situation von Werkvertragsbeschäftigten im Fokus hat. Nachdem die Werft im Sommer durch schlechte Wohn- und Arbeitsbedingungen für Werkvertragsbeschäftigte von sich reden gemacht hatte, ging man dort in die Offensive. Mit Hilfe der IG Metall Küste erlegte sich die Werft einen Tarifvertrag auf, der bereits zu ersten Verbesserungen geführt hat. Das „Papenburger Modell“ könnte zum Vorbild für andere Betriebe werden. 

 
DOCK Schriftzug auf Schiff

© [savani: photocase.com]

 

Im Juli 2013 waren zwei Werkvertragsarbeiter, die für das Traditionsunternehmen Meyer-Werft beschäftigt waren, bei einem Brand in ihrem Wohnheim gestorben. Es folgte eine wochenlange Negativberichterstattung, durch das Unglück kamen untragbare Arbeits- und Wohnbedingungen der Werkvertragsarbeiter ans Licht. Besonders die rund 1.500 Beschäftigten aus Rumänien und Bulgarien schoben Marathon-Schichten und wurden schlecht bezahlt, zudem wurden Ruhezeiten oft nicht eingehalten.

Zustände wie diese soll die ausgehandelte Einigung zwischen der IG Metall und der Meyer-Werft zukünftig verhindern: Mit dem Haustarifvertrag hat die Werft alle Werkvertragsunternehmen verpflichtet, einen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde zu zahlen und nationale Standards einzuhalten – bei Arbeits- und Ruhezeiten sowie im Arbeits- und Gesundheitsschutz. Die Unterbringung der Werkvertragsarbeiter muss seit dem neuen Vertrag zertifiziert werden.

Außerdem bekam der Betriebsrat neue Mitbestimmungsrechte: Unter anderem müssen ihm neuerdings schriftliche Lohnabrechnungen auf Anfrage vorgelegt werden. So muss er nicht auf den guten Willen der Subunternehmer vertrauen, sondern hat erstmals Kontrollmöglichkeiten. Ein Erfolg, der Schule machen sollte. Der IG Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel monierte kürzlich, dass im Koalitionsvertrag zu wenig zur Mitbestimmung für Betriebsräte bei Werkverträgen stehe, und forderte die neue Bundesregierung zum Handeln auf.


Task Force für Werkverträge


Ob die neuen Vorgaben auch eingehalten werden, überprüft nun eine sogenannte „Task Force“ mit vier Mitgliedern – zu ihr gehören auch eine IG Metall-Bevollmächtigte und der Betriebsratsvorsitzende der Meyer-Werft. Ihr erster Bericht bestätigt, was schon die mediale Berichterstattung offen gelegt hatte: In der Vergangenheit gab es Verstöße gegen gesetzliche Arbeitsschutzvorgaben und vertragliche Bedingungen der Werft. Bei einer Reihe von Werkvertragsunternehmen wurden Ruhezeiten nicht eingehalten, bei einer Firma beispielsweise waren 92 von 180 Beschäftigten mehr als 12 Stunden im Dienst.

Die Task Force kritisiert dafür auch die Werft als Auftraggeber: Die dortigen Verantwortlichen hätten sich mehr um die Situation der Werkvertragsmitarbeiter kümmern müssen, heißt es in dem Bericht. Es wurde zu wenig kontrolliert, offenbar sah man die Verantwortung bei den Werkvertragsunternehmen selbst. Durch formale Abgrenzungen der verschiedenen Verantwortlichkeitsbereiche konnte dieser Eindruck durchaus entstehen, was die Versäumnisse der Vergangenheit jedoch nicht entschuldigen kann.

Allerdings habe sich die Sensibilität bezüglich dieser Themen deutlich verändert, so die Task Force in ihrem Bericht. Mitarbeitern von Werkvertragsfirmen stünden prinzipiell alle Sozialeinrichtungen offen, ebenso gälten die gleichen Standards im Hinblick auf die Arbeitssicherheit. Es gibt also durchaus erste Erfolge in der Meyer-Werft. Die Arbeit der Task Force ist aber noch nicht vorbei, denn man habe längst nicht alle Werkvertragsunternehmen unter die Lupe genommen, so Betriebsrat Thomas Gelder.

Die Meyer-Werft, so scheint es, ist auf dem richtigen Weg. In der Werftindustrie, die mittlerweile knapp 28 Prozent Werkvertragsbeschäftigte zählt, geht sie tatsächlich vorweg. „Dieser Tarifvertrag ist bundesweit der erste dieser Art“, sagt die IG Metall-Bevollmächtigte Evelyn Gerdes der Deutschen Welle. Nun hofft sie, dass bald andere Unternehmen dem Beispiel folgen.
 

 

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