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werkverträge gefährden den Standort

Werkverträge gefährden nicht nur den Unternehmenserfolg, sondern auch den Standort

Wenn Rainer Brodersen von seiner Arbeit spricht, kommt er ins Schwärmen. Die Technik, der Traum vom Fliegen, diesen mitzugestalten, zu entwickeln. Der 52-Jährige ist Wissensmanager bei der Airbus Operations GmbH in Hamburg-Finkenwerder und als Betriebsrat zuständig für gut 5000 Beschäftigte im Bereich Engineering.

 
Rainer Brodersen, Betriebsrat der IG Metall bei Airbus

Betriebsrat Rainer Broedersen engagiert sich für den Standort Hamburg

 

Sorgen macht er sich um seine jüngeren Kollegen. Denn die, so sagt Brodersen, haben immer seltener die Möglichkeit, als Ingenieure in ihrer Arbeit aufzugehen:  Die Leute haben acht Semester Luft- und Raumfahrttechnik studiert, und was machen sie damit? Anstatt zu entwickeln, challengen sie supplier. Übersetzt bedeutet das: Sie verwalten fast nur noch die Arbeit der Subunternehmer. Denn hochqualifizierte Arbeiten werden bei Airbus in einzelne Teilschritte zerstückelt und dann immer öfter an Werkvertragsunternehmen vergeben – die Kollegen dort arbeiten oft zu deutlich schlechteren Bedingungen. Statische Berechnungen etwa, also ob ein Träger in der Lage ist, die angedachte Last zu tragen – solche Sachen gehen immer öfter an Externe, sagt Brodersen. Unsere Leute sind dann nur noch für die Prüfung und Zulassung zuständig.

 

Schon mittelfristig droht dem Unternehmen dadurch ein – hausgemachter – Know-how-Verlust von enormen Ausmaßen, ist der Betriebsrat überzeugt.  Und wir reden hier nicht von einer Gartenlaube, sondern von einem Flugzeug mit Menschen an Bord. Verschwindet das Wissen – bedingt durch die Vergabepraxis – erst einmal aus dem Unternehmen, müssen wir wieder von vorn anfangen, fürchtet er.  Für den Metaller gefährdet diese Praxis nicht nur den Unternehmenserfolg, sondern auf lange Sicht auch den Airbus-Standort Hamburg. 

 

2500 über Werkverträge beschäftigt

 

Etwa 17000 Beschäftigte arbeiten bei Airbus in Finkenwerder. Dort fertigen sie unter anderem die vier Modelle der  erfolgreichen A320-Familie. Auch ein Großteil der Entwicklung findet dort statt.

Brodersen hat überhaupt ein Problem mit der überall um sich greifenden Fremdvergabewut: Warum muss der Wachschutz oder die Küche von externen Firmen betrieben werden, wenn wir das selber besser und billiger machen können – zu IG Metall- Tarifen!. Doch bei der Werkvertragspolitik von Airbus erreicht dies eine neue, gefährliche Dimension. Werkverträge gibt es auch immer öfter in Bereichen, die einmal Teil der betrieblichen Wertschöpfungskette waren. Im Februar 2013 wurden etwa 2500 Kollegen über sogenannte Onsite-Werkverträge beschäftigt, sie arbeiten auf dem Airbus-Betriebsgelände, gehören aber nicht zur Belegschaft. Das heißt: Für sie ist der Betriebsrat nicht zuständig – Betriebsvereinbarungen und Tarife gelten für sie nicht. Aktuellere Zahlen hat die Geschäftsführung bisher trotz Anfrage des Betriebsrats bisher nicht zur Verfügung gestellt.

 

Beispiel Flugzugreinigung: Was sich nach einer Hilfstätigkeit anhört, ist in der Luftfahrtindustrie hochqualifizierte Arbeit. Entfettung der Flugzeugoberfläche, Reinigung von Spänen und Staub. Wenn da ein Fehler gemacht wird, kann die zehntelmillimeterdünne Reinaluminiumschicht des Flugzeugs beschädigt werden.

Seit Neuestem wird auch die »Isolierung« fremdvergeben. Nur die hochmodernen Isolierungsstoffe werden außerhalb genäht. Dieser Teil ist für mich okay – ich verlange auch nicht, dass wir hier E-Motoren oder ähnliches selber produzieren, das wird zugekauft. Sorgen macht Brodersen aber, dass vom Engineering über die Manufaktur bis zur Anbringung der Spezialstoffe im Flugzeug alles von Fremdpersonal ausgeführt wird. Das kommt über Werkverträge und ist auf dem Gelände in Finkenwerder tätig. 

 

Die Kontrolle nicht aus der Hand geben

 

So ähnlich verhält sich die Sache auch bei der Logistik mit ihren gut 500 Beschäftigten. Seit einiger Zeit bringt eine externe Firma die Teile bis an den Bauplatz. Das würden wir gerne wieder selbst machen, sagt Brodersen, vor allem, weil wir es besser können. Immer wieder komme es vor, dass falsche Materialien an die Arbeitsplätze gebracht werden. Bei Airbus wird just-in-time produziert. Die Störungsempfindlichkeit ist sehr hoch. Da ist es besser, die Kontrolle nicht aus der Hand zu geben.

 

Zu welchen Problemen im Betriebsablauf die Fremdvergabe führen kann, zeigt das Beispiel der »Lackierung«. Die wurden vor einigen Jahren gegen den Widerstand des Betriebsrates an einen externen Dienstleister vergeben. Doch das beauftragte Unternehmen war nicht in der Lage, die benötigte Qualität abzuliefern. Also musste Airbus die Betriebsteileteile wieder zurückholen.

 

Problem hat sich verschärft

 

Generell haben sich die Probleme mit den Werkverträgen in den vergangenen Jahren verschärft: Das Unternehmen stellt die Anforderung, dass alle Mehrarbeit fremdvergeben werden muss. ›Budget driven‹ heißt das so schön. Brodersen vermutet, dass in letzter Zeit vermehrt Leiharbeiter gegen Werkvertragsnehmer ersetzt werden. Leiharbeit, für die Betriebsrat und IG Metall bei Airbus schon vor Jahren eine »equal pay«-Regelung durchsetzten konnten, sei Airbus zu teuer: Er spricht von einem Faktor von 1,5 bis 1,9 gegenüber einem Stammbeschäftigten, schließlich wollen die Verleiher auch ihr Geld verdienen. Der Vorteil von Werkverträgen: Zwar zählen sie wie auch Leiharbeit nicht zu den Personalkosten – sie werden über den Materialeinkauf abgerechnet. Aber anders als die auch schon stark regulierte Leiharbeit haben die betrieblichen Interessenvertretungen hier kaum Einflussmöglichkeiten. Das bedeutet: Jegliche Schutzbestimmungen können umgangen werden, die Arbeitsbedingungen sind im freien Fall. Das Problem ist, dass der Betriebsrat kaum Informationen hat. Brodersen, der gerade zum zweiten Mal in den Betriebsrat gewählt wurde, will das Thema zu einer seiner persönlichen Kernaufgaben für die kommenden Jahre machen: Nichts gegen die Kolleginnen und Kollegen – aber wir haben hier unsere eigene `Schmutzkonkurrenz` auf dem Gelände, und die sitzen direkt neben unseren Kolleginnen und Kollegen. Ich halte das zum Teil für Illegal!

 

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