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Forscher: Werkverträge sind oft rechtlich unsauber

Forscher: Werkverträge sind oft rechtlich unsauber

Überraschend viele Werkverträge sind rechtlich problematisch. Zu diesem Ergebnis kommt eine empirische Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung. „Manche Praktiken der Werkvertragsnutzung überschreiten die Grenze der Legalität“, urteilen die Wissenschaftler.

Die Autoren der Studie haben anhand von Befragungen in 1082 Betrieben und in zwölf Fallstudien untersucht, wie Werkverträge im verarbeitenden Gewerbe und im Einzelhandel genutzt werden. Im Fokus der Untersuchung standen solche Werkverträge, in deren Rahmen Beschäftigte des Dienstleisters auf dem Betriebsgelände des Auftraggebers tätig werden (Onsite-Werkverträge). 

 

Illegale Werkverträge weit verbreitet

Offenbar agieren nicht nur einzelne Unternehmen in der Grauzone oder sogar jenseits davon, zeigt die Untersuchung: Von befragten 96 Managern, in deren Betrieb Onsite-Werkvertragsarbeitskräfte tätig sind, gaben 45 Prozent an, dass diese auch von Führungskräften ihres eigenen Betriebs angewiesen und kontrolliert würden. Dabei dürfen das in einem legalen Werkvertragsverhältnis ausschließlich Führungskräfte des Werkvertragsunternehmens tun.

 
 
 

Bezahlung und Arbeitsbedingungen deutlich schlechter

Doch auch wenn die Verträge rechtlich unangreifbar gestaltet sind, haben sie in der Regel gravierende Nebenwirkungen: Die Löhne in Werkunternehmen seien „im Durchschnitt niedriger und die Flexibilitätslasten höher als bei den Stammbeschäftigten“, schreiben die Autoren der Studie. Zudem würden Werkvertragsarbeiter häufig in besonders belastenden Bereichen eingesetzt und müssten längere Arbeitszeiten in Kauf nehmen. Für die meisten gelte entweder überhaupt kein Tarifvertrag oder die tariflichen Bestimmungen seien deutlich ungünstiger als diejenigen des Auftraggebers. Aber auch Stammbeschäftigte der Werkbesteller gerieten durch „die Zunahme kostenmotivierter Personalstrategien oder die Androhung von Outsourcing unter Druck“.

 
 
 

Betriebsräte sind gefordert

 „Onsite-Werkverträge bleiben eine Herausforderung für die Mitbestimmungsträger, die Verbände und den Gesetzgeber“, schreiben die Forscher. Ihr Rat lautet: Betriebsräte der Stammbelegschaft sollten darauf dringen, dass Werkverträge ausschließlich rechtlich korrekt eingesetzt werden. Indem sie dies durchsetzen, erhöhten sich die häufig unterschätzten Transaktionskosten, etwa weil die Kosten für Verwaltung und Vertragsgestaltung steigen. Der vermeintliche Vorteil, dass das Unternehmen Personalkosten spart, wäre damit in vielen Fällen aufgehoben – und die Nutzung von Werkverträgen wäre wirtschaftlich nur noch schwer begründbar. „Insofern kann die Einforderung rechtskonformer Werkvertragspraktiken auch eine Strategie der Interessenvertretung zur Eindämmung von Onsite-Werkverträgen sein“, schreiben die Autoren der Studie.

 

Keine tariffreien Zonen zulassen

Gleichzeitig sollten die Werkvertragsnehmer – unterstützt durch den Betriebsrat des Werkbestellers und durch Gewerkschaften – in jedem Fall betriebliche Interessenvertretungen gründen. Zusammen mit den zuständigen Branchengewerkschaften könnten sie auf tarifliche Vereinbarungen hinarbeiten. Die Gewerkschaften wiederum sollten stärker die gesamte Wertschöpfungskette beziehungsweise Unternehmensnetzwerke in den Blick nehmen. Der Gesetzgeber könnte dies durch eine Ausweitung der Mitbestimmung und die Vereinfachung von Betriebsratswahlen in Netzwerkunternehmen unterstützen.

 

 

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