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Kurzsichtige Unternehmer

Kurzsichtige Unternehmer

Mit Auslagerungen per Werkvertrage wollen Manager Kosten senken. Dabei rechnen sie sich in vielen Fällen die Lage schön. Langfristig ist solch ein Vorgehen unvernünftig und gefährlich. Die Manager sollten lieber auf ihre Betriebsräte hören. Die haben das langfristige Unternehmenswohl im Blick, statt auf kurzfristige Kostenvorteile zu schielen.

 

 

© IG Metall-Infografik / Quelle: Hans-Böckler-Stiftung 2015 Mehrfachantworten möglich

 
 

Wenn Unternehmen Aufgaben per Werkvertrag an Dienstleister auslagern, geht es meist darum, Kosten zu senken. Doch diese Überlegung erweist sich allzu oft als Milchmädchenrechnung, weil die Unternehmen die versteckten Kosten der Auslagerung nicht berücksichtigen. Darauf weist eine Untersuchung von Tim Obermeier und Stefan Sell für die Hans-Böckler-Stiftung hin.
 

Kosten sinken nur kurzfristig

Verdeckte Kosten entstehen durch Abstimmungsprobleme zwischen Auftraggeber und -nehmer, Kontrolle, Konflikte mit Gewerkschaften, weniger Motivation und Loyalität sowie Qualitätsmängel, stellen die Forscher der Hochschule Koblenz fest und kommen zu dem Schluss: „Wenn man ehrlich bilanzieren würde, dann müsste man in vielen Fällen zu dem Ergebnis kommen, dass sich Werkverträge zumindest aus der Perspektive einer echten, nachhaltigen Kostensenkung und bei einer ganzheitlichen Bilanzierung nicht wirklich lohnen und wenn, dann nur auf eine sehr kurzfristige und begrenzte Sicht.“
 

Weniger Ausbildungsplätze

Ein weiterer Nachteil ergibt sich nach Analyse der Wissenschaftler aus der kurzen Laufzeit von Werkverträgen. Die führe dazu, dass die Auftragnehmer kaum in Personalentwicklung und Verbesserungen der Arbeitssituation investieren. Ausbildungsbereitschaft sei insbesondere bei kleineren Firmen kaum vorhanden. Die Folge: Die Zahl der Ausbildungsplätze in der Region schrumpft, was langfristig die Personalrekrutierung der Unternehmen verteuern dürfte.
 

Mitbestimmung betriebswirtschaftlich sinnvoll

Die Betriebsräte der betroffenen Unternehmen, denen diese Probleme bekannt sind, seien um Mitgestaltung bemüht, berichten die Forscher. Allerdings seien ihre Möglichkeiten begrenzt. Denn anders als beispielsweise bei der Leiharbeit sehe das Betriebsverfassungsgesetz keine Mitbestimmungsrechte vor. Dabei wäre mehr Mitbestimmung nach Ansicht der Autoren auch betriebswirtschaftlich zu begrüßen: Betriebsräte stünden einem vernünftigen Einsatz von Werkverträgen in der Regel keineswegs im Wege. Vielmehr seien sie bemüht, das langfristige Unternehmenswohl gegenüber kurzfristigen Kostenvorteilen stärker zu gewichten.
 

Wissenschaftler kooperieren mit IG Metall

Für ihre Untersuchung haben Obermeier und Sell mit dem Bezirk Mitte der IG Metall kooperiert, der für Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Thüringen zuständig ist. Gemeinsam mit Gewerkschaftsexperten wurden drei Automobilzulieferer und ein Maschinenbauer ausgewählt, die insgesamt 11.000 Menschen beschäftigen und auf regionaler Ebene jeweils eine wirtschaftliche Schlüsselstellung innehaben. Die Forscher haben Betriebsräte dieser Unternehmen und ihrer Dienstleister, Gewerkschaftsbevollmächtigte und einen Manager interviewt. Zusätzlich wurden die ausgewählten Betriebe inspiziert und Daten ausgewertet.

 

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