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„Normale“ Arbeit ist nicht immer gute Arbeit

„Normale“ Arbeit ist nicht immer gute Arbeit

Kommentar zur Studie der Bertelsmann Stiftung

Teilzeit, Leiharbeit und Mini-Jobs schaffen zusätzliche Beschäftigung“. So interpretiert das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) der Universität Bonn die Ergebnisse einer Studie für die Bertelsmann-Stiftung. Der vermeintliche Beleg: Die Zahl atypischer Arbeitsverhältnisse habe seit den Deregulierungen am Arbeitsmarkt deutlich zugenommen. Im gleichen Zeitraum sei „der Bestand an Normalarbeitsverhältnissen über die letzten zehn Jahre recht stabil geblieben“.

Also ist doch alles in bester Ordnung auf dem deutschen Arbeitsmarkt? Hat der Abbau gesetzlicher Sicherheiten und Schutzbestimmungen wirklich niemandem geschadet und nur den Arbeitsmarkt für Erwerbslose geöffnet? Sind Niedriglohnbeschäftigung und Prekarisierung von Lebensverhältnissen doch nur Randphänomene? Keineswegs.

Denn zum einen bringt auch die Studie „Flexible Arbeitswelten“ keine plausible Begründung für die schon oft erhobene Behauptung, die „Flexibilisierung“ der Arbeitsgesetze sei der Grund für die geringere Arbeitslosigkeit. Steigende Erwerbstätigkeit kann schließlich viele Gründe haben. Zum Beispiel eine anziehende Weltkonjunktur und hohe Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen aus Deutschland.

Zum anderen ist eine unbefristete Vollzeitstelle immer weniger ein Garant für gute und fair entlohnte Arbeit. Mittlerweile sind „Unsicherheit und niedrige Löhne tief in die Normarbeitsverhältnisse eingedrungen“, stellte das Institut für Arbeit und Qualifizierung (IAQ) an der Universität Essen-Duisburg bereits Ende 2012 fest. Immer mehr Betriebe scheren aus dem Flächentarifvertrag aus, um die Löhne zu drücken. Viele haben nicht einmal einen Betriebsrat, der die Einhaltung gesetzlicher Mindeststandards überprüfen kann. „Die übliche Gegenüberstellung von Normal- und sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnissen“ reiche daher längst nicht mehr aus.

 

Unternehmen umgehen Tarifverträge mithilfe von Werkverträgen

Besonders deutlich wird dies am Phänomen der Werkverträge. Eine unbefristete Vollzeitstelle bei einem Werkvertragsunternehmen gilt als Normalarbeitsverhältnis. Jedoch sind die Unternehmen nicht an den Flächentarifvertrag der jeweiligen Einsatzbranche gebunden und die Löhne der Beschäftigten somit oft noch geringer als die Leiharbeitstarife.

Der genaue Umfang von Werkverträgen ist bisher nicht bekannt, da sie für offizielle Statistiken nicht erfasst werden. Die letzte Betriebsrätebefragung der IG Metall ergab 2013, dass in den Branchen Automobil, Luftfahrt, Stahl und Werften auf 44 Stammbeschäftigte 10 Werkvertragsarbeiter kamen, fast dreimal so viele wie Leiharbeitnehmer. In anderen Branchen wie der Fleischverarbeitenden Industrie sind es noch deutlich mehr. Und die Arbeits- und Entlohnungsbedingungen oft noch schlechter.

Es ist nicht alles gut, was Arbeit schafft. Arbeit hat keine Würde, wenn die Menschen nicht von ihrer Arbeit ordentlich leben können“, sagte der Erste Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, auf dem letzten Gewerkschaftstag in Frankfurt. Die Gewerkschaft hat daher eine Offensive gegen den Missbrauch von Werkverträgen gestartet. Dazu sollen Betriebe organisiert und in die Tarifbindung zurück geholt werden. Von der großen Koalition fordert die IG Metall, ihre Ankündigungen wahr zu machen und die Mitbestimmung bei Werkverträgen auszubauen.