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„Die Verträge sind so dick wie ein Telefonbuch“

„Die Verträge sind so dick wie ein Telefonbuch“

Bei der BMW-Niederlassung in Bonn wird die Fremdvergabe über Werkverträge immer weiter ausgedehnt. Im Interview berichten die Betriebsräte Markus Reuber und Achim Koep über zwar umfangreiche, aber wenig aussagekräftige Verträge, ihre Schwierigkeiten bei der Recherche und die Probleme, die im Arbeitsalltag entstehen.

 

Auch Ihr habt Werkverträge in Eurem Unternehmen. Wo sind die und wie geht ihr damit um?

Achim Koep

© Bildrechte: IG Metall

Achim Koep, Betriebsrat BMW-Bonn

 

Achim Koep: Wir haben tatsächlich einige Werkverträge im Haus. Sorgen macht uns besonders ein größerer Vertrag im Bereich Fahrzeugaufbereitung. Teile davon wurden vor etwa fünf bis sechs Jahren fremdvergeben. Das Problem ist, dass er seither immer weiter ausgedehnt wurde. Inzwischen wird von dem betreffenden Dienstleister auch die Neuwagenübernahme und die Fahrzeugreinigung gemacht. Die wird auf einem externen Gelände gemacht.

 

Markus Reuber: Wir haben uns den Werkvertrag zuschicken lassen. Doch der ist größer als ein Telefonbuch. Zudem ist er sehr offen gestaltet. Es ist etwa nicht nachzuvollziehen, wie die einzelnen Gewerke und Arbeiten voneinander abgegliedert sind. Im Klartext heißt das: Wir müssen uns erst weiterbilden und informieren, bevor wir handeln können. Und auch dann braucht es enorm viel Zeit, herauszubekommen, ob es sich um einen Scheinwerkvertrag handelt oder nicht.

 

Um wie viele Beschäftigte geht es denn?

Achim Koep: Das sind gut zehn Prozent der Belegschaft, also 20 von 200 Kollegen. Die arbeiten in einem externen Betrieb, knapp 30 Kilometer von unserem Standort entfernt. Aber: Die Werkstatt gehörte lange zum Unternehmen. Das Equipment, mit dem sie arbeiten, gehört noch immer uns. Und drei Arbeitskollegen von uns sind da geblieben. Sie sind zuständig für die Koordination, die Disposition und die Fahrzeugabnahmen.

 

Unterscheiden sich die Rahmenbedingungen der Werkvertragsbeschäftigen konkret von denen der Stammbelegschaft?

Markus Reuber

© Bildrechte: IG Metall

Markus Reuber, Betriebsrat BMW-Bonn

 

Markus Reuber: Auch das ist schwer zu sagen. Wir wissen weder, über welchen Tarif sie entlohnt werden, noch wissen wir, ob das, was festgeschrieben ist, überhaupt gezahlt wird. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass bei einer anderen externen Firma, die bei uns im Haus war, gar nicht nach Tarif gezahlt wurde. Solche Informationen bekommen wir nur über Recherche und Kommunikation mit den betreffenden Kollegen.

 

Achim Koep: Allerdings reden nur wenige von ihnen offen darüber. Das liegt zum einen an Sprachproblemen, aber auch an der hohen Fluktuation bei der Werkvertragsfirma. Viele haben oft einfach Angst, ihren Job zu verlieren.

 

Zu welchen Problemen kommt es bei der täglichen Arbeit?

Markus Reuber: Die sind vielfältig, das kann man so pauschal nicht sagen. Auf jeden Fall ging es besser, als wir die Arbeit noch im eigenen Haus gemacht haben.

 

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