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Interview mit Michael Nissen

Interview mit Michael Nissen

»Wir hätten die Arbeitsplätze natürlich gerne im Unternehmen«

Wenn es darum geht, den Missbrauch von Werkverträgen zu stoppen, sind Betriebsräte gefragt. In Seminaren der IG Metall machen sie sich dafür fit. Michael Nissen, seit 16 Jahren Mitglied im Betriebsrat der Flensburger Schiffbau Gesellschaft, war bei solch einem Seminar dabei. Im Interview berichtet er über den Einsatz von Werkverträgen in seinem Betrieb.

 
Foto: Michael Nissen

© IG Metall

Michael Nissen

 

Michael, du bist Betriebsratsmitglied bei der Flensburger Schiffbau Gesellschaft. Warum beteiligst du dich am Seminar zu Werkverträgen?

Die Sache interessiert mich schon länger, weil wir viele Werkvertragsarbeiter in unserem Unternehmen haben. Da wollte ich mich schlau machen. Im vergangenen Jahr haben wir im Betriebsrat einen Ausschuss gegründet, der sich mit Leiharbeit und eben auch mit Werkverträgen befasst. Ich bin zuständig für  Arbeitssicherheit und habe mir gesagt, das passt gut, da kann ich mich weiterbilden. Wir haben insgesamt 1200 Werkvertragsarbeiter auf dem Hof, das ist einfach zu viel.  
 
 

Wenn der Arbeitgeber Werkvertragsfirmen reinholt, macht er es, weil sie im Vergleich zu uns günstiger sind. Gespart wird dann meist an den Gehältern der Werkvertragsbeschäftigten.

Michael Nissen, Betriebsrat, Flensburger Schiffbau Gesellschaft

 

Wie unterscheiden sich die Arbeitsbedingungen der Werkvertragsbeschäftigen konkret von denen der Stammbelegschaft?

Die Arbeitszeiten sind fast identisch. Es gibt aber Bereiche, wo sie auch länger arbeiten. Problematisch ist die Sache, weil Werkverträge oft zu Problemen im täglichen Arbeitsablauf führen. Etwa, weil wir keine Weisungsbefugnis haben. Da kommt es oft zu Missverständnissen. Häufig kennen die Leute nicht die Gegebenheiten vor Ort. Sie brauchen dann erst einmal eine Woche, bis sie sich auskennen: Um zu wissen, wo sie was finden und wo was hingehört. Da geht auf jeden Fall viel Zeit verloren. Wir hätten diese Arbeitsplätze natürlich gerne fest im Unternehmen.

 

Gibt es Unterschiede bei der Bezahlung zwischen Stammbelegschaft und den Beschäftigten der Werkvertragsunternehmen?

Definitiv. Ein Teil der Schweißerei ist schon ausgegliedert worden. Das sind jetzt vor allem polnische Kollegen und die verdienen wesentlich weniger als die Stammbeschäftigten. 

 

Handelt es sich bei den fremdvergebenen Bereichen um Arbeiten, die ihr selber ausführen könntet?

Meistens können wir es genauso gut. Ab und zu sind die Kollegen aber auch ganz froh, dass sie eine Tätigkeit nicht mehr machen müssen. Das war etwa so, als die Untergruppenschweißerei fremdvergeben wurde. Da läuft alles in gebückter Haltung, die Arbeit geht enorm auf Rücken und Knochen. Allerdings wurden bei der Fremdvergabe keine Leute freigesetzt. Die Betroffenen sind innerbetrieblich umgesetzt worden und blieben im Unternehmen.

 

Wie ist Eure Erfahrung mit Werkverträgen im Schiffbau generell? 

Ich bin seit 35 Jahren im Unternehmen, und seit 35 Jahren haben wir Werkverträge. Im Schiffbau gibt es immer Sachen, die wir nicht können. Die Konservierung des Schiffes zum Beispiel. Wenn der Schiffskörper fertig ist, muss er mit Antifouling-Farbe bestrichen werden, dass er, wenn er im Wasser liegt, nicht rottet. Das gehört nicht zu unserem Feld, sowas wurde schon immer ausgelagert. In letzter Zeit wurde etwas mehr fremdvergeben, weil wir Auftragsspitzen haben. 

 

Hast du das Gefühl, dass Fremdvergaben in den letzten Jahren zugenommen haben? 

Ja, die Termine sind immer enger geworden, so dass sich der Zeitdruck für uns erhöht hat. Für mein Empfinden haben wir eine Teilkompetenz ausgelagert. Zum Beispiel lassen wir unsere Deckshäuser komplett in Polen bauen. In erster Linie geht es darum, dass wir unsere Aufträge termingerecht abliefern. Wenn der Arbeitgeber Werkvertragsfirmen reinholt, macht er es, weil sie im Vergleich zu uns günstiger sind.

 

Was hat dir das Seminar gebracht? 

Wir haben eine Reihe von Tools bekommen, um etwa festzustellen, wann es sich um Werkverträge handelt und wann nicht. Die werden wir nun in der Praxis anwenden und sehen, wie handhabbar sie sind. Ansonsten habe ich viele Hintergründe zum Thema erfahren, ich musste schon oft schlucken, weil mir nicht klar war, wie groß die Dimensionen sind.  

 
 
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Um Fremdvergabe und Werkverträge effektiv anzupacken, bedarf es Sachkenntnis, denn die rechtlichen Fragen sind komplex, die Hintergründe vielschichtig. Die IG Metall unterstützt Betriebsräte daher mit Seminaren, in denen die rechtlichen Möglichkeiten von Mitarbeitervertretern
erläutert und praktische Hilfestellungen gegeben werden. So können sie sich gezielt weiterqualifizieren und mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Betrieben austauschen. Informiere Dich über die zentralen Weiterbildungsangebote der IG Metall sowie über die Seminare in Deiner Verwaltungsstelle vor Ort!
 
Hier findest Du Informationen zu den Bildungsangeboten der IG Metall:
www.igmetall.de/bildung
 
 

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