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Ohne faire Arbeitsbedingungen keine guten Produkte

Ohne faire Arbeitsbedingungen keine guten Produkte

Die Beschäftigten in der Eisen- und Stahlindustrie wollen faire Standards beim Einsatz von Werkverträgen per Tarifvertrag regeln. Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall im Bezirk Nordrhein-Westfalen, ist sich sicher: An guten Argumenten und am Durchsetzungswillen der Beschäftigten wird die Forderung nicht scheitern. 

 
Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall im Bezirk Nordrhein-Westfalen

© IG Metall

Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall im Bezirk Nordrhein-Westfalen

 

In der anstehenden Tarifrunde der norddeutschen Eisen- und Stahlindustrie wird es auch um die Regulierung von Werkverträgen gehen. Wie stark brennt das Thema den Beschäftigten unter den Nägeln? 

 

Werden Werkverträge missbraucht, um Löhne zu drücken und Arbeitsbedingungen zu verschlechtern, provoziert das Sorgen, Unmut und Missstimmung bei allen Beschäftigten. Wir packen das Thema ja auf Drängen unserer Mitglieder an. Sie erleben, dass die Personalverantwortung zunehmend in die Einkaufsabteilungen der Betriebe verlagert wird. Damit kommen Menschen über Sub-Sub-Unternehmen in den Betrieb, für die niemand mehr nachvollziehen kann, zu welchen Bedingungen und mit welchen Risiken sie eingesetzt werden. Unsere Mitglieder wollen sicher sein, dass es fair zugeht beim Stahl – für sich selber und für andere. 

 

Wo liegen die größten Probleme in der Praxis? 

 

Die fangen bei den Menschen selber an. Da soll es vorkommen, dass Beschäftigte aus Werkvertragsbetrieben erst eine Schicht in dem einen Betrieb fahren und dann gleich noch eine zweite in einem anderen dranhängen müssen. Wir haben auch nicht die hinreichende Sicherheit, dass alle Gefährdungseinweisungen immer umfassend genug erfolgen. Und nicht zuletzt, wer versucht die Arbeit auf billig eingekaufte und schlecht eingearbeitete Arbeitskräfte zu verlagern, riskiert letztlich auf allen Ebenen der komplexen Prozessketten im Stahl den Verlust von Qualität und Innovationsfähigkeit. Alle Personaleinsätze gehören wieder in die Verantwortung von Personalabteilung und damit auch von Betriebsräten. Deren Mitbestimmung auf indirektem Wege zu unterlaufen, ist auf Dauer für alle Beteiligten ungut. Nur transparente und faire Arbeitsbedingungen sichern die Identifikation der Beschäftigten mit dem Unternehmen und damit auch gute Produkte. 

 

Wie viele Beschäftigte arbeiten denn im Rahmen von Werkverträgen in der Stahlbranche? Gibt es einen Trend, immer mehr Gewerke auszulagern? 

 

Rund ein Drittel aller Arbeitsstunden in der Stahlindustrie werden von Beschäftigten erbracht, die über Werkverträge in den Betrieb kommen. Und wir beobachten eine Ausweitung, z.B. um regulierte Leiharbeit abzulösen. Uns geht es dabei nicht um den Wartungsdienst für die Kopierer oder ähnliches. Uns geht es vor allem um Werkvertragsnehmer, die ihren Beschäftigten und Betriebsräten Tarifbindung verweigern oder gute Standards billig unterlaufen. 

 

Was genau verbirgt sich hinter der Forderung „Werkverträge fair gestalten?“ 

 

Wir wollen, dass Personalverantwortung wieder in vollem Umfang wahrgenommen wird, dort wo sie hingehört. Für uns hat das klare Maßstäbe: 

  • Eigen vor Fremd (Die Beschäftigung eigener Mitarbeiter hat Vorrang vor dem Einsatz von Fremdfirmen) 
  • Kein Einsatz von Sub-Sub Unternehmen in den Betrieben 
  • Tarifstandards sowie Arbeitsschutzbestimmungen für alle 

 

Gibt es in den Betrieben bereits beispielhafte Regelungen, an die man anknüpfen kann? 

 

Unsere Betriebsräte sehen natürlich zu, dass sie ihr vorhandenes Informationsrecht voll ausschöpfen. Aber solange nur die Einkaufsabteilung klärt und entscheidet, ist der reale Einfluss sehr begrenzt. Eine Übersicht über die Anwesenheitszeiten auf dem Werkvertragsgelände gehört zu den Ansatzpunkten für Kontrollen durch den Betriebsrat. Dabei zeigt sich zum Beispiel, in welchem erheblichen Umfang Mehrarbeit von Beschäftigten bei Werkvertragsunternehmen zu leisten ist. Als Konsequenz konnten Arbeitnehmervertreter beispielsweise Einfluss auf Rahmenverträge nehmen, um Übermüdungen und Überlastungen zu begrenzen. Uns geht es um gesicherte Mindeststandards zu Löhnen und Arbeitszeiten, um anonyme Beschwerdemöglichkeiten für die bei Fremdfirmen Beschäftigten und um Konsequenzen bei Verstößen gegen die Regeln. 

 

Arbeitgeber geben sich bei dem Thema kompromisslos. Wie schwer wird es, etwas zu bewegen? 

 

Ich sehe eine sehr breite Unterstützung unserer Mitglieder zu allen aufgestellten Forderungen. Faire Standards bei Werkverträgen gehören dazu. Gemeinsam werden wir das bestmögliche für die Kolleginnen und Kollegen rausholen. Und was fair für die Beschäftigten ist, stärkt auch die Zukunftsfähigkeit der Betriebe. An guten Argumenten und am Durchsetzungswillen mangelt es also nicht. 

 

Können wir das Problem allein mit Tarifverträgen in den Griff bekommen? Oder wird auch trotz eines erfolgreichen Abschlusses die Politik gefordert sein? 

 

Allein auf die Politik zu warten wird nicht reichen. Bei der Leiharbeit haben wir bereits gezeigt, dass es an uns liegt, die Probleme in der richtigen Weise zum politischen Thema zu machen und zielführende Lösungen mit der Durchsetzungsstärke unserer Mitglieder auf den Weg zu bringen. Darüber hinaus finde ich es natürlich gut, dass NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider in einem Gutachten erste konkrete Vorschläge zur Eindämmung des Missbrauchs von Werkverträgen vorgelegt hat und auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles Handlungswillen bekundet. Gewerkschaften und Politik werden hier an einem Strang ziehen müssen, um aktiv den Missbrauch von Werkverträgen zu bekämpfen. Betriebsräte brauchen einen gesicherten Rahmen, um künftig jeden Einsatz von Fremdpersonal unter die Lupe nehmen zu können.

 
 
 
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