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»Werkverträge werden zur Fehlerquelle«

»Werkverträge werden zur Fehlerquelle«

Interview mit Marcus Bochmann, Betriebsratsvorsitzender von ThyssenKrupp System Engineering GmbH in Hohenstein-Ernstthal, Sachsen

 
Marcus Bochmann, Betriebsratsvorsitzender von ThyssenKrupp System Engineering GmbH
 
 

Warum ist es für dich als Betriebsratsvorsitzenden wichtig, sich mit dem Thema Werkverträge zu beschäftigten?

 
Ganz einfach: Wir haben uns in den letzten Jahren bemüht, die Leiharbeit bei uns in den Griff zu bekommen. Das ist uns ganz gut gelungen, auch dank des IG Metall-Tarifvertrags. Das Problem ist, dass in letzter Zeit verstärkt Leiharbeit abgebaut wurde, in gleichem Maße jedoch die Werkverträge zugenommen haben. Also haben wir das zu einem neuen Handlungsfeld gemacht. Wir wollen verhindern, dass die Werkverträge überhand nehmen. 
 
In welchen Bereichen werden bei euch Werkverträge eingesetzt? 
 
Wir machen vor allem Industriemontage. Wenn unsere Anlagen auf den Baustellen aufgebaut werden, können wir das nicht allein mit eigenem Personal stemmen. Bisher wurde auf Leiharbeit zurückgegriffen, etwa um eine Spitze am Wochenende abzufedern. Jetzt wird der Aufbau häufig als gesamtes Gewerk an Werkvertragsfirmen vergeben. In der Praxis heißt das jedoch, unsere Kollegen müssen mit den Externen zusammenarbeiten und kommunizieren. Da sehe ich eine ganz klare Grenze verletzt zwischen Werkvertrag und Leiharbeit. 
 
Wie unterscheiden sich die Arbeitsbedingungen der Werkvertragsbeschäftigen von denen der Stammbelegschaft?
 
Es werden die gleichen Werkzeuge, die gleichen Anlagen und auch die gleichen sanitären Einrichtungen genutzt. Da unterscheidet sich nichts. Was sich unterscheidet, sind wahrscheinlich die Löhne. Ein Leiharbeiter erhält bei uns nach neun Monaten in etwa das gleiche Geld wie ein Stammbeschäftigter. Was ein Werkvertragsnehmer bekommt, wissen wir nicht. Dahinter steht ein großes Fragezeichen. 
 
Warum habt ihr keine Informationen über die Löhne?
 
Wir durften die Werkverträge zwar einsehen, doch es lässt sich nicht erkennen, was der einzelne Beschäftigte bekommt. 
 
Hat der Einsatz von Werkvertragsfirmen Auswirkungen auf den Arbeitsablauf? 
 
Definitiv. Wenn wir mit Leiharbeitern gearbeitet haben, konnte unser Baustellenleiter sagen, was zu tun ist. Jetzt haben sie ein eigenständiges Gewerk. Der Baustellenleiter muss sich zunächst informieren, ob es abgeschlossen ist. Dann erst sieht er, an welchen Stellen nachgearbeitet werden muss. Das ist eine ganz große Fehlerquelle. Am Ende bleiben die Restarbeiten, die nicht im Werkvertrag abgebildet sind, an unseren Kollegen hängen. Dadurch geht immer relativ viel Zeit auf der Baustelle verloren.
 
Wie viele Werkvertragsnehmer sind bei euch beschäftigt? 
 
Das hängt immer davon ab, wie viele Baustellen wir haben. Wir haben das mal für den Monat Dezember hochgerechnet. Da werden häufig die Anlagen aufgebaut, weil die Baustellen geschlossen sind. Dann kann es schon sein, dass wir von 70 bis 100 Werkvertragnehmern reden, bei insgesamt 320 Beschäftigten.
 
Wie geht ihr im Betriebsrat mit dem Thema um?
 
Wir haben ehrlich gesagt relativ wenig Handhabe. Bei den Werkverträglern, die Arbeiten verrichten, die auch ein Stammbeschäftigter machen kann, müssen wir aufzeigen, dass es sich um keinen legalen Werkvertrag handelt. Eben weil sie mit andern Mitarbeitern kommunizieren, oder weil es sich um kein abgeschlossenes Werk handelt. Da müssen wir hineingrätschen und sagen, hier handelt es sich um verdeckte Leiharbeit oder einen Stammarbeitsplatz. Die Geschäftsführung will sich lediglich nicht an dieses Personal binden. Sie hat Angst, dass sie die Leute an der Backe hat, wenn die Saure-Gurken-Zeit kommt. 
 
Hast du das Gefühl, dass Fremdvergaben in den letzten Jahren zugenommen haben?
 
Ich denke ja. Weil es immer schwieriger wird, Fachkräfte zu rekrutieren. Das liegt auch an den sinkenden Ausbildungszahlen. So wird man immer weiter gezwungen, auf solche Möglichkeiten auszuweichen. 
 
 

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