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Werkverträge

Was sind Werkverträge?

Eigentlich ein bewährtes Instrument

Mit Werkverträgen gestalten Unternehmen ihre Geschäftsbeziehungen zu anderen Unternehmen oder selbständigen Einzelpersonen. Ähnlich wie ein Kaufvertrag regelt der Werkvertrag den Austausch von Waren oder Dienstleistungen gegen Geld. Dabei kann es sich zum Beispiel um handwerkliche Arbeiten, wissenschaftliche Dienstleistungen, kreative Tätigkeiten oder einfache Hilfsarbeiten handeln.

 

Beim Werkvertrag zählt nur das Ergebnis

Der Auftraggeber schreibt eine Dienstleistung aus, vereinbart mit dem Auftragnehmer eine bestimmte Qualität und einen Abgabetermin. Wie der Auftragnehmer seine Aufgabe dann erledigt, mit wie vielen Angestellten, wie er dabei vorgeht - all das ist allein seine Angelegenheit.

 

Der Arbeitgeber will mit Werkverträgen auch für interne Konkurrenz sorgen. Das schadet am Ende allen Beschäftigen.

Angela Schetler, Betriebsrätin der Hauni Maschinenbau AG, Hamburg

 

Der Unterschied zur Leiharbeit

Dies ist auch der entscheidende Unterschied zur Leiharbeit: Der Leiharbeitgeber überlässt seine Arbeitnehmer einem Unternehmen, wo sie fest in die Arbeitsabläufe eingegliedert und gegenüber den dortigen Vorgesetzten weisungsgebunden sind. Beim Werkvertrag hingegen bleibt es dem Anbieter überlassen, wie er die Abwicklung seines Auftrags organisiert. Am Ende muss nur die Qualität des Ergebnisses stimmen.

 

Werkverträge früher und heute

Grafik IG Metall Werkverträge
 
 

Was ist das Problem?

Werkverträge verändern ihren Charakter

Früher ging es bei der Vergabe von Werkverträgen vor allem darum, spezielles Know-how einzukaufen oder Randbereiche (Kantine, Pforte, Sicherheitsdienst) aus dem Unternehmen auszugliedern. Heute setzen Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie Werkverträge im Kernbereich der industriellen Wertschöpfung ein, also in Produktion (35 Prozent), Montage (26 Prozent) sowie in Forschung, Entwicklung und Engineering (19 Prozent).

Ziel: Kostensenkung zu Lasten der Beschäftigten

 
"In welchen Bereichen werden Arbeiten fremdvergeben?"
Für welche Bereiche werden Tätigkeiten fremdvergeben?

© IG Metall Betriebsrätebefragung 2015

 
 

Werkverträge senken Kosten - zu Lasten der Arbeitnehmer

Oft arbeiten Beschäftigte von Dienstleistungsunternehmen Seite an Seite mit der Stammbelegschaft, führen die gleiche Tätigkeit aus wie die Beschäftigten des Auftraggebers, dies allerdings zu deutlich schlechteren Bedingungen. Meist gelten keine oder nur schwache Tarifverträge. Die Bezahlung ist in der Regel erheblich niedriger. Häufig gibt es auch kein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld und keine Erfolgsbeteiligung. Überstunden werden nicht bezahlt. Betriebsratsgremien und Möglichkeiten zur Mitbestimmung fehlen in den meisten dieser Unternehmen. So werden Werkverträge zu einem Angriff auf faire Bezahlung und gute Tarifverträge.

 
"Wie sind die Arbeits- und Entgeltbedingungen bei den beauftragten Werkvertragsunternehmen im Vergleich zu denen in Eurem Betrieb?"

© IG Metall Betriebsrätebefragung 2015

 
 

Eigentlich gibt es in unserem Betrieb mehr Arbeit, aber weil so viel an Werkvertragsfirmen vergeben wird, geht die Stammbelegschaft zurück.

Uwe Bauer, Betriebsrat, OTIS

 

Die Kosten trägt die Allgemeinheit

Der Missbrauch von Werkverträgen verstärkt den Trend zu immer mehr prekärer Beschäftigung in Deutschland und trägt zur Ausweitung des Niedriglohnsektors bei. Dies vertieft die Spaltung der Gesellschaft und verursacht Kosten, für die die Allgemeinheit jetzt (ergänzende Sozialleistungen) und später (Altersarmut) aufkommen muss.

 

Werkverträge schaden der Wettbewerbsfähigkeit

Aber auch aus Unternehmenssicht birgt der Trend zur exzessiven Werkvertragsvergabe Risiken: Wichtiges Know-how geht verloren, die Abhängigkeit von Fremdfirmen steigt und der erhöhte Kontroll- und Koordinierungsaufwand steht häufig in keinem Verhältnis zu der erhofften Kostenreduzierung.

 

Aktuelle Entwicklung

Offizielle Zahlen fehlen

Es gibt keine amtlichen Statistiken darüber, wie viele Beschäftigte in Deutschland unter Werkvertragsbedingungen arbeiten. Anders als bei der Leiharbeit erhebt weder das Bundesarbeitsministerium noch das Statistische Bundesamt Daten zum Umfang von Werkvertragsarbeit. Das hat etwas mit dem Wesen von Werkverträgen zu tun: Bei einem Werkvertrag schreibt der Auftraggeber eine Dienstleistung aus, die der Auftragnehmer dann eigenverantwortlich ausführt. Wie viele Arbeitskräfte er dafür einsetzt, muss nirgends festgehalten werden. Im Gegensatz zu Verleihfirmen brauchen Werkvertragsunternehmen auch keine Genehmigung dafür, ihre Mitarbeiter für andere Firmen arbeiten zu lassen.

 

Wir erfahren weder wie viele Werkvertagsarbeitnehmer im Unternehmen sind, noch  wie lange die Kollegen wirklich arbeiten.

Tadeus Solski und Hartmut Ernst, Betriebsräte, NXP Semiconductors

 

Werkverträge sind auf dem Vormarsch

Fest steht aber, dass im Zuständigkeitsbereich der IG Metall die Vergabe von Werkverträgen weit verbreitet ist. Wie eine aktuelle Betriebsrätebefragung der IG Metall zeigt, hat sich die Fremdvergabe in den letzten Jahren nicht nur auf hohem Niveau verfestigt. Sie wurde sogar ausgebaut. Zwei von drei Betrieben vergeben Arbeiten per Werkvertrag fremd. Seit 2012 wuchs dieser Anteil um 9 Punkte auf 69 Prozent. Werkverträge entwickeln sich zu einer massiven Bedrohung für die Beschäf-tigten in den beauftragenden Unternehmen. Der Anteil der Betriebe, die Stammarbeitsplätze durch Werkverträge ersetzten, stieg seit dem Jahr 2012 um acht Punkte auf heute 13 Prozent, was fast einer Verdreifachung entspricht. Bei Großbetrieben mit mehr als 1000 Beschäftigten wurden sogar in 20 Prozent der Fälle Stammarbeitsplätze durch Werkverträge ersetzt.

 
"In unserem Betrieb werden Arbeiten auf der Grundlage von Werkverträgen fremdvergeben."
Auslagerungen Verbreitung

© IG Metall Betriebsrätebefragung 2015

 
 

Werkverträge sind aktiv angebotene Ausweichstrategien

Für die Zunahme gibt es Gründe: Durch Betriebsvereinbarungen (rund 1.400 einzelne sogenannte „Besservereinbarungen“ gibt es im Bereich der IG Metall), Tarifverträge und einschlägige Gerichtsurteile ist die Leiharbeit aus Sicht der Unternehmen zunehmend reguliert und verteuert worden. Arbeitgebernahe Berater empfehlen mit Verweis auf diese Entwicklung offen den Einsatz von Werkverträgen als Ausweichstrategie.

 

Was will die IG Metall?

1. Wertschöpfung im Unternehmen halten

Keine Auslagerungen von Tätigkeiten, die zum Kerngeschäft eines Unternehmens gehören! Denn so geht wichtiges Know-how verloren.

 

Forderung nach Regelung von Leiharbeit und Werkverträgen:

Grafik IG Metall Werkverträge

© IG Metall Beschäftigtenbefragung 2013

 
 

2. Gute Arbeitsbedingungen sichern

Bei unvermeidbaren Fremdvergaben (z. B. bei Auftragsspitzen, Spezialaufträgen oder unregelmäßig anfallenden Arbeiten) dürfen nur Dienstleister mit IG Metall-Tarifen und Betriebsräten den Zuschlag erhalten. Das ist der beste Schutz vor Dumpinglöhnen und schlechten Arbeitsbedingungen.

 

3. Beschäftigte in Werkvertragsfirmen unterstützen

Sichere und faire Arbeit für alle! Immer mehr Beschäftigte aus Zuliefererbetrieben, industrienaher Dienstleistung, Logistik, Konstruktion, Forschung und Entwicklung schließen sich in der IG Metall zusammen. Wir unterstützen sie bei ihrem Einsatz für ihre Rechte. Gute Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung und Mitbestimmung im Betrieb – dafür setzen wir uns solidarisch ein.

 

4. Politische Rahmenbedingungen verbessern

Mit Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen können Gewerkschaften Auswüchse bei Fremdvergaben zwar immer wieder begrenzen. Die Missstände grundsätzlich abstellen kann aber nur die Politik, indem sie die richtigen Rahmenbedingungen setzt. Unsere Forderungen an die Politik:

 

  • Klare Abgrenzung zur Leiharbeit
    Bisher lassen sich illegale Scheinwerkverträge nur schwer nachweisen. Deshalb müssen per Gesetz Kriterien festgelegt werden, die Werkverträge eindeutig von Leiharbeit abgrenzen. 

 

  • Keine Verleiherlaubnis auf Vorrat 
    Werden Arbeitgeber bei einem illegalen Scheinwerkvertrag erwischt, drohen ihnen keine Konsequenzen, sofern die Werkvertragsfirma gleichzeitig über eine Lizenz zur Arbeitnehmerüberlassung verfügt. Dann wird der Werkvertrag einfach im Nachhinein zum Leiharbeitsverhältnis umdefiniert. Diese Hintertür muss die Politik schließen. Vielmehr muss gelten: Sobald ein Scheinwerkvertrag vorliegt, haben die Werkvertragsbeschäftigten einen Anspruch auf Festanstellung im Stammbetrieb.

 

  • Beweislastumkehr
    Bisher muss grundsätzlich der Arbeitnehmer nachweisen, dass ein illegaler Scheinwerkvertrag vorliegt. Das ist in der Praxis kaum möglich, weil Arbeitnehmer meist keinen Zugang zu den entscheidenden Informationen und Unterlagen haben. Deshalb muss die Beweislast umgekehrt werden, sodass künftig der Auftraggeber in der Pflicht ist, die Rechtmäßigkeit des Werkvertrags nachzuweisen.

 

  • Mitbestimmung bei Auslagerungen
    Sollen Bereiche aus dem Unternehmen ausgegliedert werden, müssen Betriebsräte das Recht haben, darüber mitzubestimmen. Nur so können sie die Interessen der Belegschaft vertreten.

 

  • Informationspflicht des Arbeitgebers
    Betriebsräte müssen wissen, wie viele Beschäftigte von welchen Firmen per Werkvertrag im Betrieb eingesetzt werden. Doch genau diese Auskünfte verweigern Arbeitgeber immer wieder. Deshalb muss die Politik die Arbeitgeber per Gesetz dazu verpflichten, den Betriebsrat frühzeitig und umfassend zu informieren.

 

  • Zuständigkeit des Betriebsrats auch für Externe
    Betriebsräte müssen die Interessen aller Beschäftigten auf dem Werksgelände vertreten dürfen – egal bei welchem Unternehmen diese formal angestellt sind. Bisher sind Betriebsräte für die Beschäftigten von Werkvertragsfirmen nicht zuständig – selbst wenn sie jeden Tag Seite an Seite mit ihnen arbeiten.

 

  • Haftung für Subunternehmer
    In der Praxis werden Aufträge oft an Sub- und Sub-Sub-Unternehmer weitergereicht – und damit auch die Verantwortung für Missstände. Deshalb ist eine neue Haftungsregelung notwendig: Wer Subunternehmen beauftragt, muss dafür sorgen, dass diese sich an geltende Gesetze und Tarifverträge halten. Verstoßen sie dagegen, haftet der Auftraggeber mit.
 
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Mit Werkverträgen werden betriebliche Vereinbarungen ausgehebelt, die annähernd gleiche Bedingungen für Stammbeschäftigte und Leiharbeitskräfte in den Unternehmen schaffen sollten.

Günter Kriwet, Arbeitskreis Menschen in Zeitarbeit